Pomonagarten

Apfelblütenzeit in Jürgen Deutschers Pomonagarten

Für viele Menschen ist die Erinnerung an die Kindheit verbunden mit einem schönen Obstbaum im  Garten der Großeltern, des Onkels, der Patentante oder im Garten der Nachbarn. War es ein Apfelbaum, so erinnert man sich an den Duft reifer Äpfel, Omas frisches Apfelmus oder daran, dass der Nachbar von seiner reichen Ernte einen Korb Äpfel als Geschenk vorbei brachte.

Manchmal weiß man noch den Namen der Apfelsorte: Hasenkof, Augustapfel, Gravensteiner…

Gibt es diese Äpfel noch? Im Supermarkt kann man sie nicht finden, selbst im Bio-Laden oder auf den Wochenmärkten sucht man vergeblich danach. Das ist so, weil die alten Obstsorten für den gewerbsmäßigen Anbau nicht so gut geeignet sind: Sie tragen nicht in jedem Jahr gleich gut, sie sind unter Umständen anfälliger für Spätfröste und bestimmte Krankheiten, nicht so gut lagerfähig wie die neu gezüchteten Sorten und nicht alle so knackig, wie der Käufer sich heute einen Apfel wünscht.

Aber es gibt sie noch. In alten Gärten, an schon hoch betagten, aber immer noch fruchtbaren Bäumen, die jemand sachkundig und liebevoll pflegt. Es gibt sie noch als Zukunftsprojekt: als junge Bäume in speziellen Baumschulen, die sich auf den Erhalt alter Obstsorten spezialisiert haben. Und es gibt sie auch bei uns in Werder (Havel): Im Pomonagarten des Obstbauern Jürgen Deutscher auf der Glindower Platte.

Vor einigen Jahren hatte Jürgen Deutscher die Idee, wieder alte Sorten anzubauen, um sie vor dem Vergessen zu bewahren. Er will prüfen, wie sie mit dem Boden und den veränderten Klimabedingungen zurechtkommen und ob sie noch so schmecken, wie in alten Obstbüchern beschrieben. Interessierten Obstliebhabern möchte er diese Äpfel vorstellen und zur Verkostung anbieten.

Gemeinsam mit dem Pomologen Dr. Fritz Brudel, dem Pflanzenschutzexperten Dieter Scheffel und seinem ehemaligen Biologielehrer Karl-Heinz Hergert startete er 2014 das Projekt: „Umveredlung bestehender Apfelbäume zur Demonstration alter Sorten für die Kundschaft“ und es entstand nach und nach eine Obstbauschauplantage mit 37 alten Apfelsorten. 

Dafür wurden in seiner Apfelanlage mit den Ertragssorten Elstar und Jonagold 181 Bäume, die schon seit den 1990ger Jahren im Ertrag standen, abgesetzt, d. h., die Krone wurde abgeschnitten und an der Schnittstelle je zwei Edelreiser einer alten Sorte aufgepfropft. Nach 3 – 4 Jahre baut sich aus diesen – wenn alles gut geht – eine neue Krone auf und statt Elstar und Jonagold trägt der Baum dann Äpfel der Sorte Danziger Kantapfel, James Grieve, Lunow, usw.

Ende April/Anfang Mai ist Apfelblütenzeit. Einige Sorten stehen in voller Blüte, z. B. der Jonathan und der Erdbeerapfel. Andere blühen verhaltener, wie der Weiße Winterkalvill und der Berlepsch und wieder andere haben nur wenige Blüten wie Cox Orange und Gascoynes Scharlachroter. Auch die fünf Bäume Super Manga, die in den vergangenen zwei Jahren gute Erträge brachten, haben in diesem Jahr nur wenige Blüten angesetzt. Sie legen vielleicht ein Ruhejahr ein, der Fachbegriff ist alternieren.

 

Von Anfang September bis Mitte Oktober wird der Pomonagarten dann zum Schauen und Pflücken geöffnet und der Besucher kann auf Erkundungstour gehen, um vielleicht auch den Apfel seiner Kindheit dort wiederzuerkennen. Oft war es ja einfach „Opas Apfel“, vielleicht eine Goldparmäne oder ein Edelkönig, aber welche Überraschung, wenn man ihn plötzlich in der Hand hält und hineinbeißen kann. Das ist er…!!

Von Antonowka bis Werdersche Wachsrenette, alle wachsen als Spindelobstanlage dicht beieinander. Sie lassen sich so leicht pflegen und pflücken. Zum Auf-den-Baum-Klettern oder als Schattenspender sind die Bäume so allerdings nicht geeignet. Wenn man selbst einen Obstbaum im Garten pflanzen möchte, wählt man - ausgehend vom Platz, der zur Verfügung steht - eine andere Baumform: Viertel- oder Halbstamm. Die Krone setzt am Stamm bei ca. einem Meter an und der Baum kann in einigen Jahren eine Höhe von 6 m erreichen. Ab dem dritten Standjahr trägt er Früchte. Wichtig bei der Vorüberlegung ist auch, ob eine Befruchtersorte nötig ist. Jürgen Deutscher und die anderen Obstbauern der Region beraten die Interessenten gerne dabei. 

Entscheidet man sich für eine „alte Sorte“, kann man sich den Apfelgeschmack seiner Kindheit in den eigenen Garten holen und unterstützt die Erhaltung der Artenvielfalt. In Jürgen Deutschers Pomonagarten lebt übrigens schon seit vielen Jahren eine Feldhasenfamilie…